Finalist of the National Award 2016

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„Manchmal verhandle ich mit mir selbst.“

In der Verbindung von „Bio-Landbau“ und Wirtschaft hat Martin Bauer seine Berufung gefunden. Der 50-Jährige, der sich selbst gerne als „Brückenbauer“ bezeichnet, hat schon früh beides kennengelernt: Auf der einen Seite das naturnahe Leben auf dem Lande, das Kartoffelauflesen bei der Oma, auf der anderen Seite die Welt der Gewinne und Verluste auf dem Wirtschaftsgymnasium. Auch später pendelte er zwischen Wirtschaft und biologischer Landwirtschaft: Den Zivildienst absolvierte er auf einem Bio-Bauernhof und machte dort eine Ausbildung zum Landwirt, doch später zog es ihn wieder mehr in Richtung Wirtschaft. Er wurde Diplom-Agrar-Ingenieur mit der Fachrichtung Wirtschaft und Soziales, der „Volkswirtschaftslehre der Landwirtschaft“, wie Bauer es nennt.

Als Mittler im Fleischmarkt

Nach einiger Zeit als angestellter Berater hatte Bauer keine Lust mehr auf „fremde Herren“ und gründete 2009 die m­­b-Vermarktung in Schwäbisch Hall. Sein Anliegen ist „die bestmögliche Zusammenführung von Angebot und Nachfrage“. Mit seinen fünf Mitarbeitern stellt Bauer in elf Ländern Handelsbeziehungen und Netzwerke zwischen Produzenten und Nachfragern vor allem für Bio-Geflügel her. Für die Schlachthöfe ist er der Vertrieb, für viele Nachfrager die Einkaufsabteilung. „Manchmal verhandle ich mit mir selbst“, meint er augenzwinkernd, aber auch in solchen Fällen hätte er keine Probleme damit. „Der Ausgang von Verhandlungen hängt für mich nicht davon ab, wer gerade am längeren Hebel sitzt.“ Ein Verhandlungsergebnis ist die Akzeptanz, optimalerweise der Ausgleich aller Interessen. Zwischen Wurstwarenindustrie und Schlachthöfen verliert er dabei nie den Blick für die Bio-Bauern. Der Erfolg gibt Bauer Recht. Er ist europaweit konkurrenzlos, allenfalls kleinere regionale Biofleischhändler, meint er, gebe es noch.

Was die m­b-Vermarktung auszeichnet

Basis seines Geschäftsmodells ist das Vertrauen, das er sich in den langen Jahren in der Branche erarbeitet hat. Außerdem wird Bauers Unternehmen mehrmals im Jahr kontrolliert, oft ohne Ankündigung. „Kontrollen sind gut, sie stärken das Vertrauen in die Produkte“, ist er sicher. Seine ausländischen Lieferanten lässt er auf eigene Kosten, zusätzlich zu den nationalen Bio-Kontrollen, von einer deutschen Kontrollfirma zertifizieren. „Manche Anbieter könnten direkt bei den Schlachthöfen kaufen, aber sie tun es bei mir, weil sie sich auf mein Unternehmen und meine Arbeitsweise verlassen.“

Bauer wollte nie Bauer werden

Mit der Gründung der m­b-Vermarktung hat sich Bauer auf die Seite der Wirtschaft geschlagen, eine „rote Linie“ überschritten, wie er es selbst nennt. Hat er nie Lust gehabt, einen Bio-Bauernhof zu kaufen oder zu pachten und selbst zu bewirtschaften? Gelegenheiten hätte es schon gegeben, zum Beispiel vor dem Studium, aber da wollte er nicht zugreifen. Es war nicht seins. Dennoch kommen dem Unternehmer seine Kenntnisse über die biologisch-nachhaltige Landwirtschaft heute sehr zugute. Es gibt nicht viele, die so kompetent über das Thema sprechen, das schätzen seine Ansprechpartner. Mit Bauer kann man über vieles reden, auch philosophieren, zum Beispiel darüber, warum in Umfragen 70 bis 80 Prozent der Befragten sagen, sie kaufen biologische Ware, der Bio-Marktanteil aber nur bei etwa fünf Prozent liegt. Aber immerhin, so Bauer, gäbe es Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.

Landespreis für junge Unternehmen - die Top-Ten-Unternehmen 2016 aus Baden-Württemberg
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Das Neue Schloss in Stuttgart - ...

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ein schöner Rahmen für die Preisverleihung.

604 Kandidaten – und damit so viele wie noch nie – haben sich in diesem Jahr um den Landespreis für junge Unternehmen beworben. 20 von ihnen wurden für die von der baden-württembergischen Landesregierung und der L-Bank vergebene Auszeichnung nominiert – und die Top-10 schließlich am 25. Oktober 2016 im Neuen Schloss in Stuttgart durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Dr. Axel Nawrath, den Vorsitzenden des Vorstands der L-Bank, geehrt.

„Wenn wir die zehn besten jungen Unternehmerinnen und Unternehmer 2016 auszeichnen, honorieren wir damit Innovation, Kreativität und vor allem den Mut zur Selbstständigkeit. Hier sehen wir beispielhaft, welch unglaublicher Ideenreichtum in unserem Land vorhanden ist. Diese Unternehmen und alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitar­beiter gestalten unser Land aktiv mit und sind schon heute wichtige Säulen unserer Wirtschaft.“  Winfried Kretschmann Ministerpräsident und Schirmherr des Landespreises für junge Unternehmen

„Baden-­Württemberg hat eine ganz besondere Gründerkultur. Es sind vor allem Chancengründer, die den Weg in die Selbstständigkeit wählen. Sie gründen, weil sie eine Botschaft, eine Idee, eine Mission haben. Selbstständigkeit ist für sie ein Instrument, mit dem sie etwas bewegen! Und die Top-Ten-Unternehmen des Jahres 2016 bewegen etwas. Mit selbstbewussten Konzepten und alternativen Problemlösungen entstehen neue Angebote, die den Wettbewerb intensivieren und damit die Wirtschaft im Land voranbringen.“  Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank

Hintergrund

Der Landespreis für junge Unternehmen wurde 2016 bereits zum elften Mal vergeben. Schirmherr des Wettbewerbs, der alle zwei Jahre gemeinsam von der Landesregierung und der L-Bank ausgeschrieben wird, ist Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Gesucht werden wirtschaftlich erfolgreiche Firmen aus Industrie, Handwerk, Handel, dem Dienstleistungssektor und der Gesundheitswirtschaft, sowie Vertreter der freien Berufe, die ihren Sitz in Baden-Württemberg haben und die durch verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln einen vorbildhaften Beitrag zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten. Der Preis rückt die Leistungsstärke, Modernität und Kreativität junger baden-württembergischer Unternehmer, aber auch deren soziales und ökologisches Engagement in den Mittelpunkt. Zugelassen waren Unternehmen, die nach dem 1. Januar 2005 gegründet oder übernommen wurden. Der Landespreis für junge Unternehmen ist einer der höchstdotierten und teilnahmestärksten Unternehmerpreise in ganz Deutschland.

Ein stolzer Preisträger

und Kunden, Lieferanten, Familie und Freunde jubeln mit.

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Bildrechte - Fotos: Martin Wagenhahn, Stingler